Stau im Wartezimmer

Veröffentlicht am 29.11.2018 in Gesundheit

Weil der Weg zum Arzt für viele ältere Menschen eine Herausforderung ist, will Felix Menzel (SPD), Bürgermeister im Milower Land, für einfache Behandlungen medizinisches Fachpersonal in die Dörfer holen.

Das Landleben kann wirklich reizvoll sein – weite Landschaft, saubere Luft, wohnen im Grünen, sternenklare Nächte und idyllische Ruhe. Die Vorteile liegen auf der Hand, ebenso die Probleme.

Dazu gehört unter anderem die medizinische Versorgung. Insbesondere für ältere Menschen ist der Arztbesuch eine echte Herausforderung. Zum einen sind viele Praxen überfüllt, einen Termin zu bekommen ist schwierig. Zum anderen sind die Anfahrtswegs oft lang.

Abhilfe könnten hier Gemeindeschwestern schaffen, die einfache medizinische Behandlungen wie Blutdruck messen, Verbände wechsel und dergleichen vor Ort in den Dörfern übernehmen und somit auch die Ärzte entlasten. Mit dieser Idee beschäftigt sich Felix Menzel (SPD), Bürgermeister der Gemeinde Milower Land, schon seit Längerem.

Landkreis Havelland lockt mit bis zu 20.000 Euro

„Leider wir mir immer mehr bewusst, dass das Ganze rechtlich sehr schwierig ist. Passieren muss aber dennoch was“, mahnt Menzel und erinnert daran, dass viele Ärzte in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen.

 
Wenn Praxen nicht neu besetzt werden, verschärft sich die Situation. Der Landkreis Havelland lockt deshalb junge Mediziner mit finanziellen Anreizen und fördert unter anderem Fachärzte, die sich für die Übernahme oder Neugründung einer Praxis im Landkreis entscheiden, mit bis zu 20.000 Euro.

Zugleich weist der Landkreis daraufhin, dass die medizinischer Versorgung in den Händen der Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) liegt und die Kommunen hier nicht zuständig sind. Das weiß auch Felix Menzel.

„Fest steht aber, wir haben dieses Problem und müssen es lösen. Die Wege in unserer Region sind lang und viele ältere Menschen sind auf den öffentlichen Personennahverkehr angewiesen, wenn sie zum Arzt müssen. Dabei ist schon der Weg in den Bus für einige kaum zu überwinden“, so Menzel.

Bisherige Modellprojekte sind ungeeignet

Sein Vorschlag, die Gemeinde stellt in den Dörfern Räume zur Verfügung, in denen medizinisches Fachpersonal einfache Behandlungen übernimmt. Dazu gibt es bereits verschiedene Modelle, die aber alle für den ländlichen Raum nicht geeignet sind, so der Bürgermeister.

„Die nicht-ärztliche Praxisassistentin (Näpa) muss sich zum Beispiel bei einem Hausarzt ansiedeln und kann nur dessen Patienten behandeln. Das ist in ländlichen Strukturen schwierig, denn die Einwohner eines Ortes werden von verschiedenen Ärzten versorgt“, so Menzel.

Auch das Modellprojekt Agnes II sei nicht optimal, weil es nur von einigen Krankenkassen unterstützt wird. Menzel würde sich eine Fachkraft wünschen, die für alle Ärzte einfache Behandlungen übernimmt und verschiedene Orte im Westhavelland anfährt. Sie könnte beim Landkreis über das Gesundheitszentrum angegliedert sein.

Landkreis Havelland steht Vorschlag positiv gegenüber

Gespräche dazu hat er bereits mit den Ämtern RhinowNennhausenund Friesack geführt. „Der Landkreis steht dem Vorschlag positiv gegenüber und leistet gern Unterstützung in der Koordination und konzeptionellen Ausgestaltung des Vorhabens“, erklärt Roman Lange, Büroleiter des Landrats.

Das Thema wurde auch auf der zehnten Regionalen Gesundheitskonferenz am 14. November diskutiert und allgemein befürwortet. Nun geht es darum, die rechtlichen Rahmenbedingungen zu klären und den Weg für ein Modellprojekt zu bereiten.

 

Text und Foto Märkische Allgemeine / Christin Schmidt

Die Artikel zum Thema finden Sie hier:
MAZ

 

 
 

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