Ein Vorbild für Viele

Veröffentlicht am 29.11.2018 in Sport

Eine passendere Kulisse hätten Milower-Land-Gemeindevertretung und Bürgermeister kaum für die Ehrung einer Sportlerin aus ihrer Mitte finden können. Im Rahmen des Sportlerballs des SV Eintracht Vieritz wurde die Leichtathletin Janne Sophie Engeleiter mit der Ehrennadel in Gold ausgezeichnet.

Gerade erst 23 Jahre alt ist die Vieritzerin. Und doch ist sie schon auf einigen Strecken der Welt gelaufen. Höhepunkt war 2016 die Teilnahme bei den Paralympics in Rio. Persönliches Handicap ist ihr Sehvermögen. Es hat Janne Sophie Engeleiter aber noch nie daran gehindert, so schnell zu laufen, wie es nur geht. Sie sprintet die 100 Meter zuweilen unter 13 Sekunden. Ihre Zeiten, so erklärt sie es selbst, schwanken oft - sind abhängig von Untergrund, Wind- und Lichtverhältnissen. Um nicht geblendet zu werden, läuft sie immer mit Sonnenbrille.

Bereits 2011 bei der Jugend-WM in Colorado Springs (USA) schaffte es die Sportlerin aufs Treppchen, erhielt Silber für ihren 100-Meter-Lauf und Bronze für ihren 200-Meter-Lauf.  Damals trat sie auch im Weitsprung an und holte einen zweiten Platz. Zweite und Dritte Plätze folgten bei den Europameisterschaften der Jahre 2012, 2014 und 2016. Bei der EM 2018 in Berlin schrammte sie um ein hundertstel Sekündchen am dritten Platz vorbei. Augenblicklich rangiert die Kadersportlerin der Nationalmannschaft auf Platz 6 der Weltrangliste. „Beim Behindertensport herrscht eine andere Atmosphäre“, beschrieb Engeleiter nationale und internationale Wettkämpfe. Sie seien wie Familientreffen.

Früh aus dem Elternhaus ausgezogen, um seit 2012 am Bundesleistungsstützpunkt in Cottbus trainieren zu können, wurde Janne „schneller erwachsen“. „Ich bin vielen interessanten Menschen begegnet. Hinter jedem Behinderten steckt eine Geschichte. Durch Gespräche mit ihnen habe ich viel an Lebenserfahrung gewonnen“, sagte die Vieritzerin, die dankbar ist für die Erziehung durch ihre Eltern. „Wenn man sich selbst nur auf seine Behinderung beschränkt, grenzt man sich aus“, so Engeleiter dazu. Die Eltern wussten das Kind offenbar gut auf das Leben  vorzubereiten.

Seit der ersten Klasse trainierte sie, um schneller zu sprinten. Bis zur zehnten Klasse ging sie für den TSV Chemie Premnitz auch mit ihren Trainigspartnern ohne Behinderung bei Wettkämpfen an den Start. Später nahm sie an Deutschen Meisterschaften im Behindertensport teil. 2008 durfte sie, noch als Zuschauerin, zu den Paralympics nach Peking fahren - im Rahmen eines Jugendlagers. „Dieses Erlebnis sollte die Motivation steigern“, erinnerte sich die Spitzensportlerin. Der Plan ging auf. 2011 folgten erste internationale Erfolge.

Bei allen Herausforderungen steht aber der Spaß am Sport für Janne Sophie Engeleiter immer im Vordergrund. Von dieser Freude konnte sich der Vorsitzende der Gemeindevertretung des Milower Lands, Wolfgang Gräfe, am Samstag berichten. Der Zollchower unterrichtete Janne einst im Schulsport, steht also in gewisser Weise mit am Anfang ihrer Karriere. Nun konnte er, sichtlich stolz auf seine ehemalige Schülerin, ihr die Ehrennadel der Gemeinde  Milower Land in Gold anstecken.

Sie ist die jüngste Bürgerin der Gemeinde, die mit dieser Auszeichnung geehrt wurde und die einzige Sportlerin unter allen Geehrten seit rund zwei Jahrzehnten. Heimatverbunden trage sie mit ihrem Namen und ihren Leistungen den Namen der Gemeinde Milower Land in die Welt hinaus und wirke quasi als Botschafterin - aus diesem Grund hat sie die  Auszeichnung erhalten. „Sie hält ihre Herkunft hoch. Vom Handicap beeinflusst, geht sie mit Humor und Selbstbewusstsein durch ihr Leben. Sie ist so ein Vorbild für viele“, wie Milower-Land-Bürgermeister Felix Menzel betonte.

Text und Foto Märkische Allgemeine / Uwe Hoffmann

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